Meine Essstörungs-Formen

Meine Ess-Störung zeigte sich in allen 3 Formen, immer wieder abwechselnd, je nachdem wie ich mich gerade fühlte.

Magersucht
Die Magersucht ist die bei jungen Menschen am häufigsten auftretende Form. Dies ist auch meist der Einstieg der Ess-Störung bei jungen Menschen. So war es auch bei mir. Bei der Magersucht kann man vordergründig am besten die Gefühle zum Schweigen bringen. Sie bedeutet “Verzicht und das nicht mehr teilhaben wollen am Leben” (Selbstablehnung).
Bei mir ging es bei meinem Freiwerdungsprozess vor allem darum, die verletzten Gefühle von innen nach außen zu bringen, lernen mit den eigenen Gefühlen umzugehen, mich abzugrenzen, die eigenen Gedanken verstehen lernen, Aufbau meines Selbstwertgefühls und den Weg zurück ins Leben zu finden.
Ich war sehr leise, unscheinbar, wirkte weit weg und man spürte mich kaum mehr.

Bulimie
Die Bulimie ist eine sehr “aktive” Form, weil man ständig damit beschäftigt ist zu tun und zu machen, um nicht zur Ruhe kommen zu müssen. Dies ist zwar bei der Magersucht auch oft der Fall, jedoch würde hier Ruhe bedeuten, man müsste sich mit dem Sinn des Lebens und vor allem mit sich selbst auseinandersetzen. Durch die ständige Aktivität ist man beschäftigt, will im Grunde den Sinn im Leben finden und läuft doch irr. Da man keinen Sinn hat, findet man das Leben einfach zum “Kotzen”. Diese Form der Ess-Störung finde ich für mich persönlich schwieriger loszulassen und es hat lange Zeit bei mir gedauert, weil es ein so einfaches Mittel ist, um sich alles zu erlauben. Alles in sich aufnehmen wie ein Schwamm und gleichzeitig auch wieder loslassen zu können.
Bei meinem Freiwerdungsprozess ging es vor allem darum, dass ich Ersatzstrategien entwickeln musste, und wie ich mich “anders” erfüllen und etwas sinnvolles im Leben finden konnte. Das Loslassen funktionierte so, indem ich durch eine neue Sinnfindung die Ess-Störung sinnlos fand. Ich tauschte praktisch das eine gegen das andere.

Ess-Sucht
Diese Form hängt sehr stark damit zusammen, dass man ständig darum bemüht ist, die Bedürfnisse der anderen wichtiger zu nehmen als die eigenen.  Man baut sich sozusagen einen Schutzpanzer auf, um mit den eigenen verletzten Gefühlen klarzukommen. Es muss jedoch nicht immer bedeuten, dass man dick ist, sondern bei der Ess-Sucht ist man genauso – wie bei den beiden anderen Formen – ständig damit beschäftigt, Essen und Figur im Kopf zu haben. Diese Phase hatte ich nur kurze Zeit durchlebt, da ich dann wieder in die Bulimie glitt.
Ich hatte meine eigenen Bedürfnisse wieder erkennen und für mich selbst umsetzen müssen. Der Blick wieder auf mich selbst gerichtet, bildete eine neue Grundlage, um meine eigenen Bedürfnisse nicht mit Essen stillen zu müssen.

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